Eine Vision für Leichlingen

von Dr. Gerd Heidrich

 

Anlässlich eines Bürgerbegehrens in Siegburg wurde folgende Studie bekannt:

Die Hamburger Ökonomin Monika Walther hat 70 deutsche Innenstädte auf die Folgen der dort angesiedelten Einkaufsgalerien hin untersucht. Ihr Ergebnis ist eindeutig: Einkaufszentren in den Innenstädten führen zu verminderten Mieteinnahmen der umliegenden Geschäftshäuser von im Schnitt zwölf Prozent. Und die Geschäftshäuser verloren durchschnittlich ein Viertel ihres Verkehrswertes nach dem Bau einer Einkaufsgalerie.

Doch Monika Walther hat in ihrer mehr als ein Jahrzehnt überblickenden Studie nicht nur negative Auswirkungen für die Renditen der Immobilienbesitzer ausgemacht, sondern auch für die die Betreiber von kleineren Geschäften und deren Kunden. Die großen Center führten in den traditionellen Einkaufslagen vielfach zu Geschäftsaufgaben, zeitweiligen Leerständen und zur Ansiedlung von SB-Backstationen, Handy-Shops oder ein Euro-Läden. Für die negativen Auswirkungen eines Einkaufscenters macht Walther weniger dessen Größe, als die Anzahl der Ladenlokale verantwortlich. „Je weniger Ladenflächen, desto besser“, fasst die Wissenschaftlerin ihre Ergebnisse zusammen… Walther macht eine Aussage, die aufhorchen lässt: Dass innerstädtische Einkaufszentren „helfen, verloren gegangene Kaufkraft zurück zu gewinnen und als positive Impulsgeber für die Innenstädte wirken, wie es von den Entwicklern regelmäßig behauptet wird, muss angesichts der Forschungsergebnisse in Zweifel gezogen werden.“

Bezogen auf die Leichlinger Planungen bedeutet das, dass die Annahme, die geplante Ansiedlung eines Vollsortimenters im Neuen Stadtpark eine Verbesserung der Situation für den vorhandenen Einzelhandels bedeutet, schlichtweg falsch ist. Damit fällt das Hauptargument der Befürworter, eine verbesserte Zukunft für diese Stadt zu schaffen, einfach weg.

Im Gegenteil: Die Ansiedlung auf der anderen Seite der Neukirchener Straße erzeugt einen völlig gegenteiligen Sog und würde zu einer völligen Verödung des Brückerfeldes führen. Das sollte der WIV einmal neu überlegen und seine Einstellung zum Nutzen seiner Mitglieder ändern. Das gleiche gilt natürlich für alle Verantwortlichen in  dieser Stadt.

Völlig falsch wäre es jedoch nun, untätig zu werden. Nein! Die Stadt Leichlingen braucht positive Veränderungen. Allerdings Veränderungen, die der Stadt dienen und ihr Gesicht prägen.

Dass es also auch anders geht, sollten wir versuchen, zu beweisen. Dabei fordere ich den Investor auf, im Boot zu bleiben! Ich fordere auch den bisherigen Architekten auf, im Boot zu bleiben! Und ichfordere die Politiker mit ihren Parteien auf, endlich aufzustehen, den bisherigen Planungen die rote Karte zu zeigen und ebenfalls im Boot Platz zu nehmen! Natürlich gilt das auch für den Bürgermeister! Wir brauchen eine funktionierende und phantasievolle Demokratie in Leichlingen. Dazu sind selbstverständlich und das war nie anders, auch die „Wutbürger“ gerne bereit, die zwar oft grau und kahl sind, aber mit mehr Elan ausgestattet als manche schon früh vergreisten Jugendliche.

Ich mache nun einige Vorschläge, die tatsächlich auch nur solche sein sollen. Vorschläge, die dringend darauf warten, kritisiert und verbessert zu werden. Denn wir brauchen alles in dieser Stadt mehr als Rechthaberei! Wenn wir also die Kuh  nicht auf dem Dach haben wollen, lassen wir sie einfach fliegen, wie damals Oskar Erbslöh seinen Zeppelin. Auch ein Symbol dieser schönen Stadt!

Schritt für Schritt handle ich nun einiges ab.

Das jetzige Rathaus

 

Das jetzige Rathaus wird  bis auf das Erdgeschoss abgerissen. Das Rest- Gebäude wird mit Erde überschüttet und bepflanzt. Die Fensterbereiche werden wieder freigelegt. Es entstehen die Bücherei und/oder „Erdwohnungen“. Alles verbleibt im Eigentum der Stadt. Der „Neue“ Stadtpark bleibt erhalten, der Parkplatz wird ökologisch aufgewertet.

 

Die nördliche Wupperseite zwischen Neukirchener Straße und Wupper

Jetziger Bereich von Parkplatz, Kaufpark und Tankstelle bis zur Montanusstraße

 

Unterkellerung je nach Kosten ( abhängig u. a. von Wuppergrundwasser etc.)

 

- im Erdgeschoss der Vollsortimenter

 

- im 1. Geschoss

 

- zur Neukirchener Straße hin die Stadtverwaltung + tlw. zur Wupper hin

 

- zur Wupper hin: Restauration/Cafe + weitere Räume u. a. für die

 Stadtverwaltung mit lichtdurchlässiger Treppenterrasse und Anlagestelle für

 die Wupperschiffer

 

- im  2. Geschoss

 

                - Rest Stadtverwaltung + Mietwohnungen zu beiden Seiten ( Wupper /

                  Neukirchener Straße)

 

- im 3. Geschoss ( wenn 3. Geschoss gewünscht) - Mietwohnungen

 

- darüber: Begrünung mit Streuobstbäumen + Viehweide ( Kühe/ Schafe)

                  (Aufzug nicht vergessen)

 

Überbauung der Wupper

 

Ausgehend von der linksseitigen Wupperbebauung wird ein glasiger Fußgängertunnel über die Wupper erreichtet, aus dem die jetzige Holzbrücke herausragt. Gestalterische Elemente erwünscht.

 

Die Postwiese

 

Auf der Postwiese entsteht ein ebenfalls sehr glasiger Baukörper, der u.a. die optisch sichtbare höchst effektive Heizungszentrale für die neuen Gebäude enthält. Wenn technisch, möglich  können sich hier auch bestehende Gebäude anschließen. In dieser Heizungszentrale könnten dauernd Werke Leichlinger Künstler ausgestellt werden. Weitere Nutzungen dieses etwa ein Drittel der Postwiese einnehmenden Gebäudes könnten sein: Ein Multimediazentrum mit/und Reisebüro, in dem u.a. die touristischen Möglichkeiten im Rheinisch- Bergischem Kreis angeboten werden. ( Im Zuge dieser Entwicklung wäre es wichtig, den bestehenden Bauernhöfen endlich die Möglichkeit zu verschaffen, Kleinkläranlagen einzurichten, damit sie ihre großteilig schon bestehenden Gebäude zu Wohnzwecken nutzen können / z. B. Ferien auf dem Bauernhof). Dann natürlich eine Öffentliche Toilette!

Auch hier wäre eine Dachbegrünung denkbar.

 

Restliches Brückerfeld + Brückenstraße

 

Ausgehend vom Ufer der rechten Wupperseite werden in unterschiedlicher Dichte über die restliche Postwiese, das Brückerfeld selbst, die Brückenstraße  bis hin zum Kreisverkehr an der Neukirchener Straße und darüber in die Gartenstraße ca. 100 Rohre im Boden versenkt. Diese Rohre dienen als Ständer für Schirme in verschiedenen Höhen und Durchmessern. Diese Schirme geben farblich die vier Jahreszeiten wieder. Diese „Pilzlandschaft“ soll höchst variabel je nach Zweck (auch Wochenmarkt, sonstige Veranstaltungen) veränderbar sein. Sie sind eine der vielen Symbole, die überall für die Blütenstadt Leichlingen zeugen sollen. Diese Pilze wirken außerdem verbinden zu den zum Teil leer stehenden Gebäuden um die frühere Post im Brückerfeld und  zum ehemaligen Kaufhaus Enßlen (evtl. Ladenstraße zur Bahnhofstraße). Sie helfen auch ein einheitliches Ganzes zu bilden. Die Pilze selbst könnten über Patenschaften finanziert werden (Jeder Pilz erhält den Namen des Spenders!)

 

Mit der Öffnung des Vollsortimenters auf die andere Wupperseite zu den dort vorhandenen Geschäften, bis hin zur Brückenstraße und auch der Gartenstraße, ergibt sich ein Mit- und kein Gegeneinander. Alles zusammen ist als eine große Citygalerie zu begreifen. Ggf. würde ein “Citymanager“ (= jetziger Stadtentwickler?/ Wirtschafsförderungsverein?) die Interessen des Investors als Vermieter und die des Einzelhandels koordinieren und entsprechende Veranstaltungen organisieren und koordinieren.

 

Parkplätze

 

Durch die Öffnung der Bauten zum Brückerfeld hin ständen weit mehr Parkplätze zur Verfügung als bisher. So würde zum Beispiel das zweigeschossige Parkhaus zum Wallgraben hin, wieder besser ausgenutzt.

 

Eigentumsverhältnisse + Finanzierung

 

Die sich im Eigentum der Stadt befindlichen Flächen sollten bis auf evtl. sinnvolle Korrekturen über Tausch oder gegen Bezahlung bei der Stadt bleiben. Vom Investor zu tragende Pachtzahlungen könnten gegen Nutzungen der Stadt (Büros) aufgerechnet werden. Andere, diesem Grundgedanken entsprechenden Modelle, wären zu überlegen. Auch wäre die Beteiligung der Stadt an der Betreiber- Gesellschaft des Investors mit entsprechender Gewinnbeteiligung möglich.

 

Vor etwa 10 Jahren habe ich eine kleine Broschüre mit dem Titel „Wirtschafts- und Freizeitlandschaft Leichlingen“ herausgegeben. Das darin entworfene Modell zur Stadt- Entwicklungsgesellschaft (SEW) hat damals mit dazu beigetragen, diese zu installieren. Ich habe damals auch in einem „ Verzahnungsmodell“ eine weitere Grundstücksentwicklungs- Gesellschaft (GEG) vorgeschlagen. An dieser sollten sich auch Bürger beteiligen können. Ich glaube, dass diese Gesellschaft weiterhin aktuell sein könnte. Wichtige Entwicklungen für Leichlingen könnten daraus finanziert werden. Im Übrigen weist diese Broschüre weitere, wünschenswerte Entwicklungen für diese Stadt aus. Auf Wunsch schicke ich diese Broschüre gegen Selbstkosten gerne zu.

 

Ich hoffe, Sie verstehen meine Ausführungen in dem Sinne, die verfahrene Kuh noch vor dem Winter vom nicht vorhandenen Eis zu bringen. Im Sinne unserer Stadt!

 

Gruß Heidrich

 

 

Abdruck in jeder Weise gestattet!