Günter Weber

Büscherhöfen 12

42799 Leichlingen                                                    Leichlingen 27.12.2011

 

Offener Brief an alle Ratmitglieder und den Bürgermeister der Stadt Leichlingen.

 

Wirtschaftliche Zukunftsplanung für Leichlingen, Ratsentscheid vom 22.12.2011

Hier:

1.      Fehlinterpretation und fehlende Informationen von Herrn Reiser.

 

2.     Entgegen den weltweiten Wirtschaftstrends und entgegen der allgemeinen wirtschaftlichen Dynamik entscheidet sich der Stadtrat für ein veraltertes und ein Auslaufmodell für den Einzelhandel.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

bei der Vorstellung von Herrn Reiser sind mir einige seiner Fehler aufgefallen. Ich beschränke mich auf zwei Beispiele, die ich Ihnen gerne mitteile, damit Sie diese in Ihren Entscheidungen anders werten können.

 

Beispielhaft:

Zu 1

Herr Reiser verglich mehrfach in seiner Analyse die Einzelhandelssituation in Leichlingen mit der Situation in den Städten Bitburg, Jever und Trier. Bitburg und  auch Jever sind Kreisstädte und als Zentrum ihrer Kreise versorgen sie ein Umland und bieten ein großes Einzugsgebiet auch außerhalb der Stadtgrenzen für den Einzelhandel. Bitburg ist zusätzlich ausgewiesenes und einziges Mittelzentrum *  im südlichen Eifelkreis Bitburg-Prüm. Die kreisfreien Stadt Trier gilt als Oberzentrum ** und hat ein riesiges ländliches weiträumiges Einzugsgebiet.

Bei allen drei Städten sind die Entfernungen und die verkehrstechnische Anbindung zu anderen ähnlichen Einkaufsgalerien mehrere …zig Kilometer entfernt. Nicht selten fährt man 50 und mehr Kilometer bis zu einem nächsten Einkaufsplatz. ( Rathausgalerie Leverkusen ist 9,5 km  entfernt, Galerien in Langenfeld7 km und Solingen 10 km).

 

Leichlingen ist im Landesentwicklungsprogramm NRW sowie im verbindlichen Landesplanungsgesetz nicht als Mittel- oder Oberzentrum vorgesehen, da es auch nicht die Bedingungen erfüllt. D.H. die notwendigen Strukturen die für die Verwirklichung solcher großartiger Ideen auf der Stufe von Mittel- und

Oberzentren notwendig sind, scheinen für Leichlingen gar nicht gegeben zu sein.                                                    

Leichlingen gilt als ein Unterzentrum oder Grundzentrum ***und sollte diese Strukturen und vorgegebenen Vernetzungen ehrlich akzeptieren und auch als Chance nutzen, sich auch nicht künstlich aufblasen, sonst kann es zu schmerzhaften Fehlplanungen kommen.

 

Für die Bewertung des Einzelhandels sollte sich Leichlingen als „Stadtteil“ oder Unterzentrum in der Vernetzung mit anderen verstehen. In solchen Strukturen aber müssen für die einzelnen „Stadtteile“ ergänzende, nicht konkurrierende Konzepte erdacht werden.

 

Zu 2.

Der Umsatz in den Läden des Einzelhandels vor meiner Haustür ist weniger geworden. Ich lasse mir die Weihnachtsgeschenke zuschicken und  kaufe online. Ich habe weite Arbeitswege und kaufe unterwegs, irgendwo auf der Strecke ein. Meine Welt und auch meine Einkaufswelt ist weiter, offener und grenzenloser geworden. Der Einzelhandel muss sich umstellen. Auch hier hat die stetige Globalisierung zugeschlagen.

Gleichzeitig zitiere ich sinngemäß Herrn Reiser:“ vor gut 30 Jahren war das Non-plus-ultra des Einzelhandels, die Verlagerung der Geschäftsräume auf die grüne Wiese vor den Städten. Dann merkte man, dass  man die Geschäftslokale gerne in den Innenstädten behalten hätte. Also investierte man seit 1994 wieder in die Geschäftslokale der Innenstädte“. Heute merkt man, dass der Schwerpunkt des Einzelhandels nicht mehr ortsgebunden, lokal und städtezentral sich entwickelt. Was folgt daraus?

In der Vorweihnachtszeit wurden wir von der gigantischen Zunahme der Paketlieferungen überrascht. Die Buchhandlung Langen wirbt mit dem Slogan „Lasst den Klick in Leichlingen“.  Wie lange noch? Über kurz oder lang (ich schätze keine 5 Jahre mehr) werden wir uns keine Gedanken mehr über Einzelhandel auf der Grünen Wiese oder Einzelhandel im Stadtzentren machen. Dann wird es ganz neue Herausforderungen geben, die Sie als Politiker heute schon mit einbeziehen müssen. Was brauchen wir dann für Gebäude in der Innenstadt ? Wie müssen diese konzipiert sein? Für welchen Zweck? Wie erhalten wir dann die Finanzkompetenz unseres Gemeinwesens?

 

Die Ihnen hier aufgezeigten Aspekte zeigen für mich, dass mehr zu tun ist, als ein überaltertes Marktkonzept aus der Schublade zu ziehen, das von autarken Marktplätzen abgegrenzter Städte träumt, die Kapital und Bevölkerung lokal binden sollen und diese Planungen außerdem noch nicht einmal in die Gesamtplanung und Strukturlegungen des Landes passen.

 

Ich hoffe Sie finden ein Ergebnis, das Leichlingen auf einen zukunftsweisenden Weg führt und Sie verlassen die sich abzeichnende Sackgasse in der Gestaltung des „Einzelhandels-Marktplatzes“ Leichlingen.

Ich bin nicht damit einverstanden, dass Sie „mein“ Geld und Grundstücke und meine z.Zt. bestehende Lebensqualität  innerhalb dieser Stadt, sehenden Auges aufs Spiel setzten.

 

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und appelliere an Ihre Verantwortlichkeit.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Günter Weber

 

*   Ein Mittelzentrum bezeichnet in der Raumordnung und der Wirtschaftsgeographie einen zentralen Ort der mittleren Stufe nach dem System der Zentralen Orte. Die Bedeutung eines Ortes bestimmt sich weniger nach seiner Größe als nach seiner Infrastruktur im Vergleich zur näheren Umgebung. Sie wird in die dreistufige Skala Oberzentrum – Mittelzentrum – Unterzentrum oder Grundzentrum eingeordnet.

Mittelzentren dienen als Anlaufpunkt für die Versorgung an Waren, Dienstleistungen und Infrastrukturangeboten, die durch die umgebenden Unterzentren nicht geleistet werden kann. Neben der Grundversorgung, wie sie auch in Unterzentren zur Verfügung steht, umfasst das Angebot der Mittelzentren den periodischen Bedarf, insbesondere:

**    Definiert werden die Oberzentren und übrigen zentralen Orte in den – je nach Bundesland unterschiedlichen – Plänen und Programmen der Landes- und Regionalplanung. Oberzentren sind in der Regel umgeben von mehreren Mittelzentren, die wiederum für Unterzentren von Bedeutung sind. Neben dem Grundbedarf und dem periodischen Bedarf kann in Oberzentren auch der spezifische Bedarf gedeckt werden. Das umfasst neben dem Infrastruktur- und Dienstleistungsangebot der Unter- und Mittelzentren insbesondere:

***   Ein Unterzentrum oder Grundzentrum ist ein zentraler Ort der unteren Stufe nach dem System der Zentralen Orte in der Raumplanung und Wirtschaftsgeographie. Ein Unterzentrum hat zunächst die gleichen Aufgaben und Einrichtungen der Grundversorgung wie Kleinzentren. Es soll jedoch besser ausgestattet sein und eine größere Vielfalt an zentralen Einrichtungen der Grundversorgung aufweisen, wie zum Beispiel

Periodische, über den täglichen Bedarf hinausgehende Waren und Leistungen werden im nächsten Mittelzentrum gedeckt, besondere Dinge und Angebote des spezifischen Bedarfs können im nächsten Oberzentrum gedeckt werden.

Quelle: Wikipedia