» Leserbrief 15.01.2011
"Faires Ringen um die Innenstadt" oder Werbeveranstaltung mit Feigenblatt?

Zu Beginn der Bürgerveranstaltung bat Bürgermeister Müller: "Lassen Sie uns fair und sachlich miteinander umgehen."

Für die meisten Zuhörer und die Presse mag es so ausgesehen haben, als ob dieser Wunsch in Erfüllung ging, für die Bürgerinitiative allerdings nicht.

Hierzu 5 Beispiele:

1.
Kann man das wirklich als "fairen Umgang miteinander" bezeichnen, wenn 2 der Podiumsteilnehmer von der Pressekonferenz, die vor Beginn der Veranstaltung stattfand, einfach ausgeschlossen wurden? Natürlich wusste die Stadt, dass die beiden Vertreterinnen der Bürgerinitiative „Rettet den Stadtpark“ anderer Meinung sind als der Rest der geladenen Gäste. Aber hätte die Presse nicht auch das Recht, die zwei Gegenstimmen vorher zu hören? Vielleicht hätten die beiden zur Fotowand mit den 35 Leerständen in Leichlingen etwas sagen können. Aber das war natürlich nicht erwünscht. Das hätte den Gesamteindruck der schönen bunten Aquarelle gestört, die die Bebauung natürlich nur von ihrer positiven Seite darstellen sollte und nicht ihre möglichen negativen Folgen.

2.
So sollte auch durch die Anzahl der Referenten und den Zeitraum, den die Befürworter des Projektes zur Verfügung hatten, die Bedeutsamkeit ihrer Argumente unterstrichen werden. Der Bürgerinitiative wurden 10 Min. zur Darstellung ihres Anliegens eingeräumt und 2 Plätze auf dem Podium, den Befürwortern der Bebauung 10 Plätze und das Vierfache an Zeit, das sie dann noch gnadenlos überzogen. Kann man diese Planung und Ausführung fair nennen?

3.
Fair sollte es eigentlich auch bei der Verteilung der Eintrittskarten zugehen. Mitgliedern der Initiative, die bei der technischen Vorbereitung der Veranstaltung helfen wollten, wurde der Zutritt vor 18 Uhr erst einmal verwehrt mit dem Argument: „Das wäre nicht fair gegenüber den restlichen Teilnehmern.“ Aber war es dann fair, dass die Fraktionsvorsitzenden nicht nur für ihre Fraktion, sondern auch für Gleichgesinnte hinreichend Karten im Vorfeld bekamen, damit der Kreis der zustimmenden Besucher auch deutlich hörbar wurde?

4.
Zur Fairness gehört auch, dass man korrekte Zahlen nennt und keine Schönfärberei betreibt. Die Baudezernentin, Frau Hammerschmidt, sprach in ihrem Eingangsreferat von 8000 m² Grünfläche, die neu entstehen würde. Das wäre natürlich wunderbar. Aber die Realität sieht leider ganz anders aus. Auf dem Grundstück, auf dem jetzt Kaufpark und Tankstelle stehen, bleiben bis zur Henley-Brücke höchstens noch ca.4600 m² übrig, wenn die vom Investor geplante Neubebauung stattgefunden hat. Es handelt sich also keineswegs nur um 50 m² Grünverlust. (BM Müller: RP.14.1.11). Vielleicht wurde ja mal wieder der betonierte Rathausplatz auf der Tiefgarage nicht nur bunt, sondern grün angestrichen und dann als Grünfläche gerechnet. Es wäre nicht das erste Mal, aber eben nicht fair.

5.
Bürgermeister Müller forderte nicht nur zur Fairness, sondern auch zur Sachlichkeit auf. Frage: Dienen bunte Aquarelle, auch wenn sie nett anzuschauen sind, der sachlichen Information? Worin bestand dabei die Sachinformation über das 14 m hohe 3-4-geschossige Gebäude in seiner gesamten Größe? (57 mal 62 m) Blühende Krokusse sind keine Antwort auf die drängende Frage: Wie soll das Einkaufszentrum einmal aussehen? So wurden die entscheidenden Fragen bewusst ausgespart oder blumig beantwortet. „Eine Chance für Leichlingen“ wurde versprochen, aber Mängel in Fairness und Sachlichkeit haben diese Chance geschmälert.
.:  Rettet den Stadtpark Leichlingen  :.