» Brief vom 14.05.2011
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Müller, sehr geehrte Ratsmitglieder!

Wir fassen unsere Gedanken zum Gespräch mit dem Bürgermeister am letzten Montag und unsere Argumente, weshalb wir gegen die neue Planung sind, wie folgt zusammen:

1.
Es reicht nicht, neue Einzelhandelsflächen zu erstellen, nach dem Motto: "Die Mieter werden sich schon finden". Stattdessen: Zielgerichtete Steuerung der zukünftigen Einzelhandelsentwicklung und dies unter Bewertung der bestehenden Angebotssituation.

2.
Um eine höhere Kaufkraftbindung zu erreichen, sollte nach einer Markt- und Bedarfsanalyse vorgegangen werden. Nur so werden die Belange des etablierten Einzelhandels berücksichtigt und Kannibalisierungseffekte durch Verdrängungswettbewerb vermieden.
Um die Attraktivität des Leichlinger Einzelhandels zu erhöhen, ist ein Bündel von Maßnahmen erforderlich. All dies ist im Gutachten der GMA nachzulesen. Leider ist dieses Gutachten nicht auf dem neusten Stand. Eine überarbeitete Version, die die Veränderungen im Markt (z.B. ECE in Leverkusen mit rund 24.000 qm VK-Fläche) aufzeigt, liegt noch nicht vor. Die Version von 2010 sei nur ein Entwurf, sagte Herr Bürgermeister Müller am 9.5.2011 gegenüber Vertretern der Bürgerinitiative.
Ein solches Gutachten sollte jedoch Grundlage aller Entscheidungen sein, damit Schaden vom Einzelhandel abgewendet und zusätzlicher Leerstand vermieden wird.
Die Ratsmitglieder sollten sich noch einmal mit diesem Gutachten beschäftigen.

3.
Die Verlagerung des Kaufparks in den Stadtpark steht nicht im Mittelpunkt des kommunalen Einzelhandelskonzeptes der GMA für die Stadt Leichlingen. Neben anderen wichtigen Punkten wird dies lediglich unter "ggf." erwähnt. Stattdessen wird die Verlagerung eines neu gestalteten Kaufparks nach Norden, also Richtung Tankstelle empfohlen.

4.
Haben sich die Ratsmitglieder angeschaut, was der favorisierte Investor bisher gebaut hat? Herr Ronde könnte gute Auskunft geben, er hat über RECONA genau recherchiert.
Sind Sie immer noch der Meinung, dass RECONA ausgerechnet in Leichlingen von Billigarchitektur Abstand nimmt?
Bevor der Rat dieses Bauvorhaben beschließt, müssen verbindliche Pläne auf den Tisch, die das zeigen, was der Investor mit seinem Budget zu bauen in der Lage ist.

5.
So hat die Bürgerinitiative, ihrem Vorschlag und dem Wunsch vieler Leichlinger folgend, eine Planungsalternative vom renommierten Düsseldorfer Architekturbüro RKW erarbeiten lassen, die den von allen gewünschten Vollsortimenter mit einer ausreichenden Verkaufsfläche von 1500 m² plus den benötigten Lager- und Anlieferungsflächen plus Büro- und kleineren Geschäftsräumen einschließlich Gastronomie am Wupperufer platzieren. Sogar die Öffnung zur Wupper durch die Wuppertreppe ist in diesem Entwurf berücksichtigt und machbar.
Wenn Bürgermeister Müller in der Wochenpost vom 10.5.2011 argumentiert:
"Die Verwaltung hat die Pläne geprüft und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sie nicht verwirklicht werden sollten. Zum einen stimmen die Entwürfe des beauftragten Architekturbüros nicht mit den tatsächlichen Grundstücksmaßen überein. Zum anderen stellt die Lösung keine Öffnung zur Wupper dar.",
dann muss man entgegenhalten:
RKW hat nach einem Plan gearbeitet, der vom Katasteramt Bergisch Gladbach erstellt wurde und den die Bürgerinitiative für 70,00 €uro im Bauamt der Stadt Leichlingen erworben hat. Einem renommierten Planungsbüro zu unterstellen, es könnte nicht korrekt mit Vorgabeplänen arbeiten, ist das nicht etwas anmaßend?
Die dargestellte Öffnung zur Wupper durch Begleitweg, Terrasse und Wuppertreppe wurde aus den bis dato bekannten städtischen Plänen übernommen.

6.
Die Ansiedlung eines Vollsortimenters an der Trompete könnte dazu führen, dass der Bedarf für einen Vollsortimenter im Innenstadtbereich schwindet.

7.
Wenn nicht juristisch unzweifelhaft geklärt ist, ob die Einschränkungen aus dem Kaufvertrag zwischen Günter Cremer und der Stadt verjährt oder aus einem anderen Grund nicht mehr bindend sind, sollte der Rat dem Vorhaben aus Gründen der Sorgfalt und der Schadensabwendung nicht zustimmen.

8.
Es ist nicht nachvollziehbar, warum der Rat und die Verwaltung die Stadtparkbebauung so vehement verfolgen, obwohl man keine stichhaltigen wirtschaftlichen und Städtebau fördernden Gründe dafür finden kann und das Einzelhandelsgutachten anders lautende Aussagen macht.

9.
Es ist auch nicht nachvollziehbar, warum die Stadt Geld in Planungen investiert, ohne vorher genau abzuklären, ob sie überhaupt durchführbar sind. Warum besteht der Rat der Stadt Leichlingen nicht auf einem schleunigst einzuholenden Verkehrsgutachten?

10.
Wie werden die 30% Regionale-Gelder, die die Stadt aufbringen muss, gegenfinanziert? Reicht es, sie in den Haushalt "einzustellen"?

11.
Wird die beabsichtigte Belebung der Innenstadt wirklich durch betreutes Wohnen und 80 Pflegebetten im 2.und 3. Obergeschoss erreicht? Ist das ein zufrieden stellendes Ergebnis jahrelanger Überlegungen? Lohnt es sich, dafür den neuen Stadtpark zu opfern?
.:  Rettet den Stadtpark Leichlingen  :.